Spätestens seit Klaus Bednarz in den 1990er Jahren durch seine Reisereportagen mit der „Ballade von Baikalsee“ uns diese Region näher brachte, träumen hierzulande auch viele Menschen von einer Reise zum Baikalsee. Viele Reisende haben seitdem diesen See kennen und lieben gelernt. Auch wir haben unseren Teil dazu beigetragen: Bereits 1991 haben wir, von biss, eine erste Pilotreise mit über 10 Teilnehmern zum Baikalsee unternommen. Es hat dann aber nochmal gut 10 Jahre gedauert bis wir einen Rhythmus von regelmäßigen Wanderreisen zum Baikal in unsere Programm aufgenommen haben. (der Baikasee wird von Russen meist einfach nur „der Baikal“ genannt und oft sogar als Sibirisches Meer betitelt) Obwohl ich mittlerweile schon oft privat und als Reiseleiter am Sibirischen Meer war, hat der Baikalsee nichts von seiner Magie verloren.

Warum begeistert der Baikalsee so viele Menschen?

Der Baikalsee fasziniert jeden Besucher auf eine andere Art. Manche blicken stundenlang auf den See und lassen sich von seinen Farbenspiel, der Weite und der Ruhe in eine andere Welt ziehen.

Andere sind von der reichen endemischen Tierwelt, wie den Baikalrobben oder den berühmten, lachsartigen Omul, einer der über 60 Fischarten des Sees beeindruckt.  Wieder andere sind von der schieren Größe des Baikal überwältigt. Mit 670 km Länge und 80 km Breite wird der Baikalsee von Einheimischen nicht ohne Grund als das „Sibirische Meer“ bezeichnet. Da der See auch bis zu 1.700 m tief ist, enthält er etwa 20 % der weltweiten Süßwasserreserven. Somit es der Baikalsee wirklich ein See der Superlative.

Wie kalt wird es am Baikalsee im Winter?

Obwohl das Sibirische Meer magisch anzieht, können sich die meisten Leute hierzulande eine Reise nach Sibirien im Winter für sich selber kaum vorstellen. Zu stark sind die Ideen von bitterkalten, eisigen und lebensfeindlichen Schneelandschaften im Kopf. Auch wenn das Bild für manche Regionen Sibiriens in bestimmten Jahreszeiten durchaus zutreffen mag, so doch gewiss nicht für den Baikalsee. Auch wenn im tiefsten Winter die Temperaturen unter 20 grad Celsius fallen können, so doch nicht zu den Zeiten in denen wir unsere Winterreisen veranstalten. Diese finden üblicherweise Ende Februar bis Ende März statt. Zu dieser Zeit liegen die Temperaturen auf der Insel Olchon, wo wir unsere Wanderungen unternehmen, normalerweise im einstelligen Minusbereich. Tagsüber kann es auch mal Plusgrade haben. Da die Luftfeuchtigkeit gering ist, fühlt sich die Kälte deutlich angenehmer an, als bei gleichen Temperaturen hierzulande. Sollte sich der See mal bei einer Wanderung von seiner rauen, stürmischen Seite zeigen, kann man sich auf eine heiße, russische Banja freuen, die einen in der familiengeführten Pension erwartet.

Nachts ist man ja ohnehin in dieser gemütlichen, warmen Unterkunft mit Sanitäreinrichtungen im einfachen, europäischen Standard gut untergebracht.

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Scheint in Winter die Sonne am Baikalsee?

Durch die geografische Lage, kommt es zu langanhaltenden Hochdruckgebieten, die unserer Wanderregion viel Sonne bescheren.

Die Insel Olchon hat im Durchschnitt 310 Sonnentage pro Jahr und kann damit sogar locker  mit manchem Badeort am Mittelmeer konkurrieren. In unserer Reisezeit kann man also durchaus mit Sonne rechnen. Die Sonne lässt das Eis des zugefrorenen Sees dann in paradiesischen Farben glitzern. Oft gibt es zudem eine schöne Fernsicht über die Weite des Sees.

Doch der Baikal kann sich auch von seiner rauen, stürmischen Seite zeigen und darf nie unterschätzt werden. Abgesehen von Wetter, was ist anders bei einer Winterreise als im Sommer?

Was ist das besondere einer Winterreise zum Baikalsee?

Der größte Unterschied zu einer Reise im Sommer ist sicher, dass der Baikalsee zugefroren ist. Das bietet Reisenden besondere Möglichkeiten den See aus ganz anderen Perspektiven zu erleben. So kann man aufs Eis laufen und die Küste der Insel Olchon vom See her erkunden. Dort lassen sich faszinierende Eisgrotten und Höhlen mit bizarren Eisstalaktiten entdecken. Oft ist der Hafen der kleinen Insel samt den dort liegenden Schiffen von einer dicken Eisschicht eingepackt, die an in Kunstharz balsamierte Insekten erinnert. Es lassen sich auch größere Wanderungen auf dem Eis unternehmen, doch wie sieht das Eis auf dem zugefrorenen Baikalsee nun aus?

Welche Form hat das Eis auf dem zugefrorenen Baikalsee?

Das Eis des Baikal kann vollkommen unterschiedliche Formen, Farben und Gestalten annehmen. Die ist in erster Linie abhängig von Wetter und Wind während der Zeit des Zufrierens. Der See friert nicht in einem Stück zu, sondern es bilden sich Eisschichten oder sogar kleine Eisberge, die dann wieder aufreißen und sich übereinander schichten können. Ist es während des Einfrierens stürmisch, so entstehen an manchen Stellen kleine Eisberge, an anderen Ecken stellen sich Eisplatten auf. Diese erinnern an die Rückenplatten des Stegosauriers und sind nur schwer zu überwinden. Viele Stellen des Eises sind jedoch auch spiegelglatt und wären sogar mit Schlittschuhen gut befahrbar, während auf anderen Schnee liegt,der guten Halt gibt. Ein besonderes Highlight sind Luftblasen, die im Eis gefroren sind. Diese lassen sich an vielen Stellen des Sees in ganz unterschiedlichen Formen und Größen und je nach Lichtverhältnissen auch in verschiedlichen Farben finden. Um dies alles zu erleben muss man sich weit aufs Eis hinaus wagen, doch ist das nicht gefährlich?

Wie gefährlich ist es auf dem Eis des Baikalsees zu wandern?

Niemand sollte den Baikal herausfordern“ so mahnen die Einheimischen mit viel Respekt und Ehrfurcht vor ihrem See. Nicht unbegründet, denn jedes Jahr passieren Unfälle. Ganze LKW oder Autos versinken im See und Menschen brechen ein. Auch wenn der See im Schnitt mit 80 cm bis über 1,20 m über seine sehr solide, tragfähige Eisdecke verfügt, so gibt es auch große Eislöcher und meter breite Rinnen, die ganz offen sind oder nur von einer hauchdünnen Eisschicht bedeckt sind. Diese entstehen einerseits durch heiße Quellen an Grund des Sees, andererseits durch das permanente Arbeiten des Eises. So steht das Eis durch unterschiedliche Einflüsse, unter permanenten Druck, was immer mal wieder zu lauten, knallartigen Geräuschen führt, wenn sich Eisschichten ruckartig gegeneinander verschieben. Diese können zwar angsteinflößend sein, sind aber normalerweise vollkommen ungefährlich. Offene Wasserlöcher und Rinnen und andere kritische Stellen sind üblicherweise für Wanderer gut zu erkennen. Die meisten Unfälle passieren ortsfremden, unvorsichtigen oder betrunkenen Fahrern.

Wenn man einige Dinge beachtet, kann man also gut Wanderungen auf dem Eis unternehmen, doch worauf sollte man achten?

Worauf muss man bei Wanderungen auf dem Eis achten?

Wo die gefährliche Stellen auf dem Eis sind, lässt sich am besten von Einheimischen, die sich auf dem Eis bewegen, erfahren. Hier kennen sich neben unseren Reiseleitern insbesondere Eisfischer oder Berufsfahrer aus. Als ich meine erste Winterreise am Baikalsee geführt habe, hatten mir allerdings alle befragten Einheimischen von einer längeren Wanderung zum Festland kategorisch abgeraten. Wir haben uns damals dennoch von einem ortskundigen Fahrer bis zum Rand einer für den Bus unüberwindbaren Barriere aus einer Rinne und kleinen Eisbergen fahren lassen. Die fehlenden 3-4 Kilometer bis zum Festland und die ca. 13 km zurück sind wir gewandert. Dem Fahrer war äußerst Unwohl in Hinblick auf unser Vorhaben und seiner möglichen Beteiligung daran. Er entließ uns schweren Herzens mit guten Ratschlägen und einer Harpune zum Prüfen der Eisdicke, die er mit mitgab. Wir haben die Stecken damals wohlbehalten absolviert und sie seither als fakultativen Bestandteil bei gutem Wetter auf unserer Reisen vorgesehen. Viele Reisende kürzen die Wanderung aber ab, in dem sie mit dem Fahrer wieder kurz vor die heimische Küste zurückfahren.

Neben den Tipps der Einheimischen und dem aufmerksame beobachten des Eises hinsichtlich der Dicke des Eises überfrorener Wasserlöcher oder Rinnen ist das Wetter von zentraler Bedeutung. Es kann äußerst unangenehm werden, auf dem offenen Eis in einem Schneesturm zu geraten. Bei längere Wanderungen über das Eis sollte man sich auf die Tage mit stabilem, gutem Wetter beschränken. Als dritter Punkt ist es wichtig die eigene Kondition richtig einzuschätzen und immer mit konditionellen Reserven zu planen. Der letzte wichtige Punkt ist die richtige Ausrüstung. Doch was benötigt man für eine Winterwanderung auf den Eis?

Welche Ausrüstung braucht man für Wanderungen auf dem Eis des Baikalsees?

Warme und winddichte Kleidung wird sicher niemand vergessen. Doch auch eine Sonnenbrille ist nötig und eine Notration an Essen, wie Müsliriegel und eine Thermosflasche mit heißem Tee sollte im Rucksack dabei sein. Es gibt keine Unterstell- oder Sitzmöglichkeiten auf dem See, wenn man nicht zufällig einen Fischer mit einer Hütte auf Kufen trifft. Daher ist es praktisch auch ein Sitzkissen mitzunehmen. Da das Eis des Sees sehr unterschiedlich beschaffen ist, bräuchte man auch unterschiedliches Schuhwerk. Die wenigsten haben Schlittschuhe oder Langlaufski zur Verfügung. Für die glatten Passagen des Eises sollte man Spikes, die sich unter de Wanderstiefel schnallen lassen, mitnehmen. Ein längerer Wanderstock, möglichst mit Eisenspitze, ist wichtig um an kritischen Stellen die Dicke des Eises zu prüfen. Last but not least sollte natürlich immer ein Erste Hilfepack mit Rettungsdecke und ein Handy eingesteckt werden. 

Doch wenn man bei Wandern schon so vieles im Blick behalten muss, wo fahren dann Autos auf dem Eis?

Gibt es wirklich Straßen auf dem Eis des Baikalsees und wie ist die Vorfahrt geregelt?

Es gibt tatsächlich Autoverkehr und sogar richtige Straßen auf dem Eis. Einheimische Fahrer kennen allerdings viele Strecken auch jenseits der offiziellen Straßen, auf denen sie bedenkenlos fahren können. Sie kennen aber auch die kritischen Passagen und wissen, dass wo es gestern noch sicher zu fahren ging, heute schon gefährlich sein kann.

Die wenigen, offiziell ausgewiesenen Straßen über das Eis sehen anders aus als Straßen auf dem Lande. Zwar gibt es sogar Verkehrsschilder, doch die Straßen sind meist 100 bis 150 Meter breit in eine Fahrtrichtung, denn der Bremsweg der Fahrzeuge ist je nach Gewicht und Reifenart sehr unterschiedlich. So gehen sich die Eisfahrer auf dem Baikalsee aus dem Weg und halten riesige Abstände.

Mit einem erfahrenen, einheimischen Fahrer kann man sichere Touren auf dem Eis unternehmen. Wir nutzen diese Möglichkeit auf unseren Reisen um die unterschiedlichen Gegenden Rund um die Insel Olchon und auf der Insel als Ausgangspunkt für kleine Wanderungen nutzen zu können.

Lust auf den Baikalsee im Winter?

Den Baikalsee im Winter erleben und sich selber aktiv auf dem Eis und auf an Land zu bewegen ist ein einmaliges Erlebnis. Können Sie sich  / Kannst Du dir nun auch solche Reise vorstellen? Oder haben Sie / hast du noch Bedenken oder Fragen. Ich freue mich übe Rückmeldungen.

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