Wie geht es uns bei biss Aktivreisen?
Wie ich zum Lohnbuchhalter wurde.
Wie geht es Hertha BSC, und was geht uns das an?
6 Gründe warum wir die Krise überleben werden.
Zum Umgang mit der Corona-Krise in Deutschland.

Die Corona-Krise hat praktisch die ganze Welt erfasst und das Leben von fast allen umgekrempelt oder zumindest stark verändert. Wirtschaftlich sind die Menschen jedoch recht unterschiedlich betroffen. Mit am stärksten betroffen ist der Tourismusbereich, denn die Auswirkungen werden noch lange nach einer Normalisierung des öffentlichen Lebens zu spüren sein. Innerhalb der Tourismusbranche sind unsere Reiseregionen in Osteuropa und dem zentralen und nördlichen Asien (fast alle außerhalb der EU) besonders betroffen. Die meisten dieser Länder sind derzeit sowohl von deutscher Seite mit einer Reisewarnung belegt, wie auch von Seiten der Reiseländer mit Einreisebeschränkungen. Wir verlieren dennoch nicht den Mut und werden überleben.

Das Jahr ging gut los…

Anfang des Jahres sah bei uns die Situation hoffnungsvoll aus. Wir haben einige neue Reisen auf dem Balkan entwickelt. Die von mir komplett neu überarbeitete Reiterrreise auf Kamtschatka war innerhalb von wenigen Tagen überbucht, so dass wir dieses Jahr nicht allen zusagen konnten, die mitreiten wollten. Die Saison schien sich gut zu entwickeln. Die ersten Meldungen von einem besonderen Grippevirus, das in China zu Beschränkungen geführt hat, schien zunächst ein regionales Problem zu sein und nur unsere Chinareisen zu betreffen. Bei mir schrillten allerdings die Alarmglocken schon früh und ich begann mich mit Szenarien eines schlechteren Verlaufes zu beschäftigen (siehe hierzu meinen Blogbeitrag auf meiner Beratungsseite vom 12.03.).
Seit etwa einem Jahr haben wir eine Vollzeitstelle für einen Mitarbeiter eingerichtet, was ein erheblicher Kostenblock ist. Wir haben viel in die Infrastruktur und in eine gute Zusammenarbeit investiert und ich habe große Lust, unser Team in dieser Konstellation weiterzuführen.

Der KUG-Berater des Arbeitsamtes hat alle Zeit über Kurzarbeitergeld zu erzählen…

So habe ich beim Arbeitsamt angerufen und mich über Kurzarbeit informiert. Zu dieser Zeit kannten den Begriff Kurzarbeitergeld (KUG) fast alle meiner Reiseveranstalterkollegen, wie auch ich, nur aus der Zeitungslektüre im Zusammenhang mit Krisen in grauer Vorzeit. Der Kurzarbeit-Experte des Berliner Arbeitsamtes freute sich sichtlich über das Interesse, an seinem bis dato kaum nachgefragten Expertenwissen und nahm sich alle Zeit, mich ausgiebig zu beraten.
Das war Ende Februar. Ab März kochte das Thema richtig hoch und ich habe diesen Mann leider nie wieder ans Telefon bekommen, sondern nur noch Kollegen, die offensichtlich ganz neu in diese Materie gerutscht waren.
Unser Mitarbeiter Leif ist seit März in Kurzarbeit, was unsere Kosten zwar nicht ganz auf Null sinken lässt aber ganz erheblich reduziert.

Wie ich zum Lohnbuchhalter wurde…

Leider kündigte uns mit der Einführung der Kurzarbeit unsere Lohnbuchhalterin, weil sie die Abrechnung von Kurzarbeit nicht mit ihrer Software bewältigen konnte. Ihr Tipp: such dir doch einfach eine Firma, die das kann – mach es auf keinen Fall alleine.
Da das Thema mittlerweile allumfassend war, setze zeitgleich auch ein „Run“ auf die wenigen freien Lohnbuchhalter ein, die das Thema schon beherrschten. Da wir zeitgleich unter einem enormen Kostendruck geraten sind, habe ich die Suche schnell wieder aufgegeben und mich zunächst einmal selbst in diese äußerst komplexe Materie eingearbeitet. Das war doch sehr kompliziert und hat lange gedauert, denn es hängt viel dran. Die teure, komfortable Softwarelösung der Profils stand mir leider nicht zur Verfügung. Aber ich habe es ohne teure Software selber geschafft und mache die Abrechnungen für 0 Euro derzeit alleine. Zeitgleich haben wir alle Kosten, die irgendwie gingen, runtergefahren z.B. haben wir alle Marketingausgaben gestoppt.

Was wir derzeit machen und wie geht es Hertha BSC?

Corona-bedingt arbeiten wir seit dieser Zeit überwiegend im Homeoffice. Für Tilo ist das Homeoffice unser Büro. Zwei bis dreimal in der Woche führen wir eine regelmäßige Videokonferenz durch, bei der es auch darum geht, uns bei der Laune zu halten. Daher ist das Auf und Nieder von Hertha BSC ein zentrales Thema des Austausches. Leif ist Fan mit Dauerkarte von Hertha und Tilo und ich spielen selber Fußball und verfolgen sympathisierend den Verein.
Mit befreundeten Kollegen der Reisebranche tauschen wir uns einmal pro Woche per Videokonferenz aus. Tilo kümmert sich um aktuelle Anfragen, die größtenteils von den immer noch knapp 100 gebuchten Reiseteilnehmern zur Abwicklung / Rückabwicklung ihrer Reisen stammen. Eine Kernfrage ist, was mit den bereits gebuchten Flügen passiert. Besonders nach Kamtschatka sind die Flüge sehr teuer. Ich beschäftige mich mit Grundlagen, Aufarbeiten von Liegengebliebenem, Marketingfragen und Strategien wie es weitergehen kann. Wir haben zur Corona-Lage für unsere Reiseländer Blogartikel mit aktuellen Statistiken zusammengefasst. Vor kurzem habe ich endlich mal wieder eine erste kleine Wanderung unternehmen können (siehe Blogarktikel auf meinem neuen Abenteuerreisetipps Blog für Individualreisen).

Fazit: die Lage ist extrem ernst – aber wir schaffen das

Wirtschaftlich geht es darum, zu überleben. Wir haben die Fixkosten auf ein Minimum gesenkt. Wir hoffen, dass noch ein paar kleine Einnahmen reinkommen zumindest für Touren innerhalb von Europa, die wir sicher durchführen können. Wir hoffen, dass die Reisenden nicht alle ihr Geld zurückverlangen. Wir haben die staatliche Unterstützung für unser Unternehmen erhalten. Berlin war hier extrem effizient und vorbildlich – durch unsere Kollegen habe ich den Vergleich mit anderen Bundesländern. Wir hoffen auf weitere Unterstützung. Es wird ganz sicher mit uns weitergehen, auch wenn wir zunächst von unseren kargen Reserven leben müssen.

6 Gründe warum wir überleben werden

Ich bin sicher, dass wir die Extremsituation überstehen werden. Dies sind die Gründe warum ich das glaube:

  • Wir haben Power und Know-How.
  • Wir haben Ideen für die Zukunft.
  • Wir können uns einschränken und mit geringen Ansprüchen leben.
  • Wir haben tolle und treue Reiseteilnehmer.
  • Wir haben spannende Reisen.
  • Wir ziehen an einem Strang und verstehen uns gut.

Zum Umgang mit der Corona-Krise in Deutschland

Noch eine persönliche Einschätzung zum Umgang mit der Krise zum Schluss. Ich muss sagen, dass ich extrem froh bin, in einem Land zu leben, in dem die Maßnahmen abgewogen werden, es kein populistisches Staatsoberhaupt gibt, das eine platte Kriegsrhetorik bemüht und bei Hilfen auch an kleine Selbständige, Freiberufler und Künstler gedacht wird, die sonst gerne mal unter den Tisch fallen. Über Sinn und Umsetzung einzelner Maßnahmen lässt sich sicher diskutieren und das ist auch gut so, aber im Großen und Ganzen hat sich unsere Regierung und unser Land äußerst gut in dieser extremen Situation bewährt.

3 Kommentare

  1. Die Texte habe ich mit Genuss und Interesse gelesen und mich amüsiert. Es freut mich, dass Ihr einen Sachsen eingestellt habt, ich bin auch Sächsin. Die nächste große Reise machen wir wieder mit Euch. China ist geplant.
    Liebe Grüße von Maren

    1. Vielen lieben Dank für den netten Kommentar. Hoffen wir das China sich bald endgültig von Corona erholt und Reisen wieder ohne Einschränkungen möglich wird.

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